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Kultur und Brauchtum in Bad Mitterndorf

Das Salzkammergut ist ein traditionelles Refugium an Kultur und Brauchtum.

Auch in Bad Mitterndorf haben sich viele Bräuche, Riten und Sitten erhalten, die anderswo im Laufe der Jahrhunderte verloren gingen. Die Tracht, der Dialekt, das Handwerk und eine Vielzahl an Veranstaltungen während des gesamten Jahres sind ein sichtbarer Beleg dafür. Alle diese Dinge werden in Bad Mitterndorf aber nicht künstlich am Leben erhalten, sondern zählen zum Alltag der Menschen in der Region. Sie halten Traditionen mit Freunde, Liebe und Ehrfurcht vor den vorhergehenden Generationen hoch und lassen die Gäste gerne daran teilhaben.

Traditionelle Nikolospiele am 05. Dezember

Eines der wohl traditionellsten Brauchtümer in Bad Mitterndorf sind die Nikolospiele am 5. Dezember. Die überlieferten Spiele in den Ortsteilen Pichl-Kainisch, Bad Mitterndorf und Tauplitz unterscheiden sich in vielen kleinen Details, haben aber alle ein ureigenes „Jedermannspiel“ als Grundlage. 

Die Krampusse sind dunkle Gestalten mit handgefertigten Masken einheimischer Schnitzer. Stetige Begleiter sind die Schab, die mit ihrem Gewand aus gedroschenem gebundenen Kornstroh das Bild des Zugs prägen. Umrahmt werden diese uralten Geschichten von verschiedensten Gestalten und Figuren, die eine tiefe Verbundenheit der Menschen mit Region und Natur widerspiegeln. Das ist echtes Brauchtum ohne Kitsch und künstlicher Inszenierung. Unser Tipp - genießen Sie jedes Jahr ein anderes Nikolospiel in Bad Mitterndorf und erkunden Sie auf diese Weise die feinen Unterschiede der Menschen in den verschiedenen Mitterndorfer Ortsteilen.

Das Nikolospiel in Bad Mitterndorf

Schon seit über 100 Jahren, so wie es die Ortschronik im Heimatmuseum der Familie Strick bestätigt, findet in Bad Mitterndorf alljährlich am Abend des 05. Dezembers das Nikolospiel statt. Über 80 Männer ziehen in der Winternacht vom Ortsteil Krungl in das Zentrum von Bad Mitterndorf und führen dabei an verschiedenen Orten das althergebrachte Jedermannsspiel auf.

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Bis heute hat man die ursprüngliche Wortwahl beibehalten. Quartiermacher, Nachtwächter und Schimmelreiter eröffnen das Spiel. Der Bartl trägt einen Buckelkorb mit Obst und Süßigkeiten, die Bischof Nikolaus und Pfarrer an die Kinder verteilen. Im Jedermannspiel von Bad Mitterndorf stirbt der arme Mann, der dem Pfarrer wohl alle Schandtaten beichtet, jedoch zu Reue und Besserung nicht bereit ist. Der Tod tritt in Gestalt des Sensenmannes auf und streckt ihn zu Boden. Die Mächte des Bösen, dargestellt von zwei Krampussen zerren ihn aus der Wirtsstube. Hat Bischof Nikolaus vorher schon gepredigt, Sünden zu unterlassen und gut zu sein, warnt er von neuem, überlässt dann aber die Zuschauer in der Stube dem Eheteufel. Dieser erzählt, wie er Ehen zerrüttet. In diesem sich reimenden Text spiegelt sich besonders das Alte und Bäuerliche wider. Auch der wild hereinstürzende Luzifer spricht vom Weizenfeld, aber vor allem von seinen vielen Helfern. Auf Schmied und Habergeiß sollte man allerdings auch achten. Die Jäger haben aber alles bestens im Griff und sorgen für Ordnung.

Eine Besonderheit bilden auch die Gestalten aus Stroh, die als "Schab" bezeichnet werden. Die Schab werden schon Ende November aus händisch gedroschenem Kornstroh gebunden. Sie bestehen aus dem Kittel, dem Oberteil, dem Kopfteil und aus Hörnern, die ca. 4 Meter lang sind. Das angefertigte Schabgewand hält oft mehrere Jahre. Sie gehen allen voran und kündigen den Heiligen Bischof Nikolaus und sein gefürchtetes Gefolge mittels Schnalzen von Peitschen an.

Masken und Pelze werden zwar laufend erneuert, jedoch sind die Hauptfiguren seit mehreren Jahrzehnten nahezu unverändert geblieben. Die Masken und Kostüme können im Heimatmuseum der Familie Strick besichtigt werden.

„Frisch und gsund, frisch und gsund! Lång lebn und gsund bleibn!"

Jahr für Jahr am Tag der unschuldigen Kinder, dem 28. Dezember, ziehen die Kinder in aller Frühe von Haus zu Haus, das ursprünglich bezeichnete "Frisch und Gsundschlagen". Die mitgebrachte Rute dient dabei nicht zur Bestrafung, sondern soll Glück und Gesundheit für das neue Jahr bringen. Als Dank dafür erfreuen sich die Kinder über Süßigkeiten und kleine Geldbeträge.

Das Nikolospiel in Pichl-Kainisch

Der Ursprung der Nikologruppe Kumitz lässt sich bis zum Ende des 18 Jahrhunderts zurückverfolgen. Anfangs gruppierten sich die jungen Männer der Gemeinde, angezogen mit Schaffellmänteln und Fellmützen mit roter Zunge und zogen am Abend des 5. Dezember durch die Gemeinde. Im Laufe der Zeit wurde dann ein Krampusspiel in den Gasthäusern der Gemeinde aufgeführt. 

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Die Hauptrollen bilden der Pfarrer und der Heilige Bischof Nikolaus, die die Kinder mit ihrer Predigt belehren, ermahnen und dann vom weißen Bartel mit Gaben beschenken. Die Messner, der Nachtwächter, der Jäger, der Polizist und die Habergeiß gehören ebenfalls zu den Rollenträgern des Zuges. Im Laufe der Zeit kamen noch die Schab dazu, die mit ihren Geißelschnalzen die Rauhnacht ankündigen. Ohne Zweifel die Hauptattraktion ist die Predigt des Luzifers mit seinen beiden Haltern. Ein impulsanter Vortrag über die Laster der Menschheit, versetzt das Publikum immer wieder in Staunen.

Heute tragen die Krampusse Schaffellköpfe mit geschnitzten Holzmasken und Ziegenhörnern. Der Luzifer trägt einen Schaffellkopf ohne Holzmaske und hat ein rot geschminktes Gesicht.

Glöckln am 05. Jänner

Wie auch in vielen anderen Orten im Salzkammergut tragen auch die Kinder hierorts das sogenannte "Glöckln" jährlich am 05. Januar von Generation zu Generation weiter. Bei jedem Haus wird kräftig mit einer Glocke geläutet und laut gerufen: "Bitt goar schen um an Glöcklkrapfen!". Daraufhin bekommen Sie als Dank gebackene Krapfen, Süßigkeiten und Obst. Überlieferungen legen dar, dass die Glöckler Glück bringen.

Tauplitzer Nikolospiel

Das Nikolospiel in Tauplitz

Alljährlich am 5. Dezember wird die Stille der Winternacht in Tauplitz von lautem Schellengeläute und dem Schnalzen von Peitschen , den sogenannten "Goassln" (Peitschen), unterbrochen. Dunkle Gestalten ziehen durch die Finsternis. Es ist Miglotog, wie der Nikolaustag im kleinen Bergdorf bezeichnet wird.

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Der Heilige Bischof Nikolaus zieht jedes Jahr mit seinem lichten und dunklen Gefolge vom Ortsteil Klachau zum Dorfplatz im Zentrum des Ortes. An die 60 Leute sind an diesem Schauspiel beteiligt. Die Tauplitzer Spieltexte sind einer der Ältesten im Lande.

In Stroh gehüllte Männer, die "Schab" schreiten voraus, und kündigen mit ihrem lauten Knallen den Nikolozug an.Ein eindrucksvolles Bild bietet der heilige Nikolaus, der in Tauplitz auf dem Ross, dem Nikoloross, zu den wartenden Kindern einreitet.Auch die Jedermannszene im Tauplitzer Nikolospiel ist eine gern gesehene Darbietung, denn ein ziemlich zerlumpter und von Alkohol gezeichneter Mann bittet den Pfarrer, ihm die Beichte abzunehmen.Schuster und Schneider eröffnen und der Höllenfürst Luzifer mit seinen dunklen Gesellen beendet dieses einzigartige Volksschauspiel.

Eine Besonderheit ist die Vielzahl an verschiedenen Spielszenen und Figuren.